Schule in Alt-Merkstein – ein geschichtlicher Abriss von 978 bis heute

Kirchwinkelschule (978 - 1815) –

Elementarschule (1815 - 1939) -

Theodor-Körner-Schule (1939 - 1944) -

Katholische Volksschule (1946 - 1968) -

Städtische Gemeinschaftsgrundschule Alt-Merkstein (seit 1968)

Alt-Merkstein kann auf eine lange Schultradition zurückblicken. Pfarrer Arnold Ortmanns schrieb dazu: „Das Küster- und Lehramt ist so alt wie die Pfarre und war stets mit einander vereint bis 1815“ 1) Eine Pfarrkirche gab es hier bereits um 720, als der hl. Willibrord hier missionierte und Kirchen und Klöster gründete. Hinweise auf eine Schule gibt es allerdings aus dieser Zeit noch nicht.

1. Kirchwinkelschule (978 –1815)

Doch seit 1030 Jahren, Otto II. war damals deutscher Kaiser, wird in St. Willibrord Merkstein unterrichtet. In der Sammlung Tevis ²) heißt es: „Am 30. Juli des Jahres 979 ist mein Vater Johan Franken, Küster und Lehrer, gestorben, 67 Jahre alt. – Peter Franken, Merkenstein“. Seit dieser Zeit sind die Küster-Lehrer der Kirchwinkelschule St. Willibrord bis 1815 lückenlos bekannt. Unterrichtet wurde in der Küche der Küsterfamilie. Im Sommer kamen nur wenige Kinder. Im Arbeitsvertrag des Küster-Lehrers stand:

1. Die Schule soll Winter und Sommer gehalten werden.-
2. Sie soll im Winter beginnen morgens ½ 9 Uhr, im Sommer 7 Uhr und dauern bis 11, nachmittags von ½ 2 bis 4 Uhr. –
3. Vor und nach der Schule soll der Küster das Vaterunser, Ave Maria, den Glauben, die zehn und fünf Gebote mit den Kindern beten. –
4. Ein halber Tag in der Woche soll für die Kinder Spieltag sein. –
5. Samstags soll der Küster den Kindern christlichen Unterricht geben und in der Fastenzeit zweimal in der Woche. –
6. Die armen Kinder soll er umsonst unterrichten, die anderen geben die übliche Vergütung. –
7. Der Küster soll die Kinder täglich in die Kirche leiten und sorgfältig überwachen und, wenn nötig, zurechtweisen....“ 1)

Im Jahre 1700 reichte der Platz nicht mehr aus und ein neues Schulhaus wurde gebaut. Heute befindet sich darin der Pfarrsaal und die Küsterwohnung. 1670 wohnte die aus Italien stammende Familie Ginetthi (auch Gynetti geschrieben) in Merkstein. Sie stellte über 145 Jahre den Küster-Lehrer. Es waren: Peter bis 1685, Severinus bis 1705, Peter-Josef bis 1742, Johann-Jakob bis 1776 (sein Grabstein steht noch neben dem Treppenaufgang zur Kirche) und Vinzenz bis 1815. Über den letzten Ginetthi schreibt die Schulchronik 3) :

“Der Küster unterrichtete die Kinder in den Anfangsgründen des Katechismus, lehrte sie beten und übte sie im Lesen und Schreiben. Auf Rechenunterricht wurde wenig oder gar nicht gesehen. Die Leute zählten an den fünf Fingern ihre Rechenexempel. Beim Aufschreiben der Zahlen bediente man sich der lateinischen Zahlen.“

Lesebücher waren: „Das kleine A-B-C-Büchlein“, der „Seelentröster“ und das Evangelienbuch. Besonders begabte Schüler durften danach sogar alte Urkunden lesen.4)

2. Elementarschule (1815 – 1939)

Nach dem Wiener Kongress 1815 kam Herzogenrath und Umgebung zu Preußen. Die kirchlichen Lehrer wurden entlassen. Erster staatlicher Lehrer wurde Engelbert Hahnraths. Er unterrichtete noch im alten Pfarrschulgebäude. Im Lesen wandte er eine neuartige Lautmethode an. Die Merksteiner hielten ihn deshalb zunächst für „nicht ganz richtig im Kopf“.

1834 war dann das neue Schulgebäude fertig. Es lag unmittelbar neben der alten Küsterschule und gehört heute zum Pfarrheim. Die schulische Situation verbesserte sich jedoch kaum. Der Lehrer nagte am Hungertuch. Er musste tagtäglich um seinen Lohn und die Ausstattung seiner Schule mit Mobiliar oder Lehr- und Lernmittel mit dem Gemeinderat kämpfen. Klassenstärken von 80 bis 100 Kindern waren keine Seltenheit.

1845 begann die segensreiche Ära Brachthäuser: Johann Heinrich (bis 1873) und Sohn Heinrich-Josef (1872-1921) unterrichteten und leiteten die Schule fast 80 Jahre lang. Sie spielten auch die Orgel in der Kirche und gründeten eine landwirtschaftliche Fortbildungsschule und machten mit den Kindern Turn- und Sportunterricht auf dem Schulgrundstück oder an seit 1865 an Recks und Barren der neuen Schule in Hofstadt.

1890 quoll die Merksteiner Schule über. Die Jungen durften nun in die neue Jungenschule an der Hauptstraße, das heutiges Schulgebäude, umziehen. In der alten Schule an der heutigen Willibrordstraße blieben nur noch die Mädchen.

1914 ziehen 179 katholische und 135 evangelische Kinder aus dem Bezirk Streiffeld in die neue Schule in der heutigen Comeniusstraße um. In diesem Gebäude ist heute das Bürgerhaus und die Kindertagesstätte Gänseblümchen untergebracht.

Im Jahre 1919 entzog die preußische Regierung dem Pastor die lokale Schulaufsicht. Ein Kreisschulinspektor wurde eingesetzt. Zur selben Zeit wurde Merkstein selbständige Gemeinde. Jetzt brauchte man Büroräume für die Verwaltung. Der Gemeinderat entschied sich für das Gebäude der Mädchenschule. Also wurde an der Jungenschule in der Hauptstraße angebaut. 1923 zogen die Mädchen um. Das Gebäude der Mädchenschule wurde zum Bürgermeisteramt umfunktioniert und blieb es bis 1950.

Im Jahre 1890 wurde erstmals eine Frau als Lehrerin eingestellt. Es war Maria Sibilla Willems aus Worm. Frauen als Lehrerinnen mussten allerdings im Zölibat leben. Lehrerinnen waren immer „Fräuleins“. Als die Lehrerin Josephine Kirfel dagegen verstieß und 1920 ihren Kollegen Hubert Königs heiratete, musste sie den Schuldienst quittieren.

Im Jahre 1929 wurde in der Schule zusätzlich eine „Hilfsschule für Lernbehinderte“ eingerichtet.

3. Theodor-Körner-Schule (1939 – 1944)

(September 1944 bis Dezember 1945 kein Unterricht!)
Die Nationalsozialisten wollten in den Schulen Kinder und Jugendliche ideologisch indoktrinieren. Ab 1936 mussten alle Jungen und Mädchen in die Hitler-Jugend eintreten. 1937 wurden die Geistlichen aus dem Schuldienst entlassen. Sie passten nicht in das faschistische Erziehungskonzept. Geistliche durften nur noch in eigenen kirchlichen Räumen unterrichten. Ostern 1939 wurde die „Deutsche Schule“ ausgerufen. Die Schule in der Hauptstraße erhielt den Namen: Theodor-Körner-Schule. Die Kreuze wurden aus den Klassenräumen entfernt und stattdessen wurde die Hakenkreuzfahne gehisst. Alle Lehrer mussten in die National-Sozialistische-Deutsche-Arbeiter-Partei (NSDAP) eintreten. Wer dagegen verstieß, wurde bestraft. So wurde Lehrer Wilhelm Küppenbender, der spätere Rektor unserer Schule, 1939 und 1943 strafversetzt. Der Schulmorgen begann jetzt immer mit faschistischer Indoktrination: nationalsozialistische Lieder, Gedichte, Merksprüche, Kriegsberichterstattung, „Heil-Hitler“- oder „Sieg-Heil“-Rufe.

Ab 1941 war bedingt durch die Kriegsereignisse ein normaler Schulbetrieb kaum noch möglich.

Im September 1944 näherten sich die amerikanischen Streitkräfte Merkstein. Die Schule wurde geschlossen. Hitlerjungen, die Merkstein durch „Schanzarbeiten“ gegen die vorrückenden Amerikaner schützen sollten, zogen ein.

Am 7. Oktober 1944 eroberten amerikanische Soldaten Merkstein und befreiten Herzogenrath und Umgebung vom Nationalsozialismus. Amerikanische Soldaten bezogen für ein halbes Jahr Quartier im Schulgebäude.

4. Kath. Volksschule (1946 – 1968)

Erst am 7. Januar 1946 konnte wieder mit dem Unterricht begonnen werden. Lehrer, die sich wieder zum Unterricht meldeten, mussten zuerst auf ihre politische Zuverlässigkeit überprüft und entnazifiziert werden. 428 Kinder wurden in 9 Lerngruppen in 6 Räumen von 6 Lehrpersonen unterrichtet. Zum Heizen der Schule mussten die Kinder Holz für den Gussofen in der Klassenmitte mitbringen. Fast täglich gab es eine Schulspeisung: Erbsen- oder Biskuit-Suppe und ab und zu auch Schokolade. Mit den Jahren normalisierte sich die Lage.

1957 wurde in der Schule Hauptstraße auch eine evangelische Schule gegründet, die 1958 in die neu errichtete „Albert-Schweitzer-Schule“ in Merkstein umzog. Durch Zuzug vieler Bergarbeiterfamilien musste das Schulgebäude 1964 erweitert werden.

1965 konnte der Erweiterungsbau bezogen werden. Am 27. Juni 1968 hörte die Katholische Volksschule auf zu existieren. Die große Schulreform wurde durchgesetzt.

5. Gemeinschaftsgrundschule Alt-Merkstein (ab 1968)

Zu Beginn des Schuljahres 1968/69 wurde die Volksschule in Grund- und Hauptschule aufgeteilt. In Alt-Merkstein blieb die Gemeinschaftsgrundschule. Sie zählte 192 Kinder, die in 5 Räumen des Altbaus unterrichtet wurden. Der Erweiterungsbau und 2 weitere Räume im Altbau wurden von der Hauptschule benutzt.

Ab 1975 gab es 14-täglich einen freien Samstag. 1977 nahmen erwachsene Schülerlotsen – bis dahin Schüler der Albert-Schweitzer-Hauptschule – ihren Dienst auf. 1978 fand das 1. Schulsommerfest statt.

1981 gestaltete die Schulpflegschaft den tristen Schulhof mit Spielhäusern, Balancierbalken, Recks, Wippen, Torwand, Blumenkästen, Tischen und Bänken zum Spielhof um. Ende Mai 1984 führte die Grundschule die erste Projektwoche mit anschließendem Schulfest durch. Seitdem fand alle 2 Jahre eine Projektwoche statt.

Im April 1988 wurde der Verein der „Freunde und Förderer der Grundschule Alt-Merkstein“ gegründet. Dieser unterstützt die Schule bis heute tatkräftig.

Erster Vorsitzender wurde Franz-Gert Schönen. Rektor Oswald Ortmanns, der sich in vielfältiger Weise um die Schule verdient gemacht hat, wird 1994 pensioniert.

Die Grundschule wird seit 1996 zweizügig geführt. Nach einer Übergangszeit und kommissarischer Schulleitung durch die Konrektorin Ulla Bongers wird Klaus Zebner 1999 neuer Schulleiter.

In der Übergangszeit gelang es dem Kollegium und der Elternschaft 1998 in Zusammenarbeit mit dem Schulträger, der Stadt Herzogenrath, durch Entsiegelung den oberen Schulhof völlig neu zu gestalten und zu begrünen. Der Förderverein beteiligt sich anschließend maßgeblich an der Anschaffung neuer Spielgeräte und Bänke.

Mit Beginn des Schuljahres 2004/2005 wurde die GGS Alt-Merkstein in eine Offene Ganztagsgrundschule umgewandelt, die heute von ca. 75 Kindern besucht wird. Dazu wurde ein Klassenraum im Altbau in eine Mensa umgewandelt. Außerdem wurden auf dem unteren Schulhof zusätzliche Betreuungsräume in zwei mobilen Einheiten geschaffen.

Im Herbst 2008 wurde auf dem oberen Schulhof ein vom Deutschen Fußballbund gestiftetes und von der Stadt Herzogenrath mitfinanziertes Mini-Fußballfeld errichtet und am 29. November eingeweiht.

Im September 2011 wird Gabriele Schröder als Nachfolgerin von Ulla Bongers zur neuen Konrektorin ernannt.

 

Seit Beginn des Schuljahres 2011/12 ergänzt eine Schulsozialarbeiterin das Kollegium.


Eine Sonderpädagogin verstärkt seit 2015 das Team im Rahmen der Inklusion.

Seit August 2015 wird die Turnhalle "An der Waidmühl" als Erstaufnahmelager für Flüchtlinge genutzt. Der Sportunterricht findet in den Hallen zweier benachbarten Schulen statt.

 

Zum Beginn des Schuljahres 2017/18 stand die Turnhalle der Schule und den Vereinen wieder zur Verfügung.

 

Zum 1. Februar 2019 schieden der Schulleiter Klaus Zebner nach fast 20 Jahren und die stellvertretende Schulleiterin Gabriele Schröder nach fast 40 Jahren, davon 10 Jahre in der Schulleitung, an der GGS Alt-Merkstein aus dem Schuldienst aus.

 

Zum 1. Februar 2019 übernimmt Anika Ehrt zunächst kommissarisch die Schulleitung.

Literatur:
1) Pfarrer Arnold Ortmanns: „Geschichte der Pfarre Merkstein“ , 1913
2) Sammlung Tevis: Kladde mit handschriftliche Aufzeichnungen pfarrgeschichtlicher Daten, Fakten und Namen des Herrn Nikolaus Joseph Tevis, der von 1848 bis 1899 Küster an St. Willibrord war. (Original im Pfarrarchiv)
3) Chronik der Elementarschule Merkstein, 1815 – 1944 (Original im Stadtarchiv)
4) „100 Jahre Schule Alt-Merkstein“, Festschrift aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Schulgebäudes in der Hauptstraße

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Grundschule Alt-Merkstein - aktualisiert 22.01.2019